Mehr Schulz, weniger Nahles!

2015-12_Martin_Schulz_SPD_Bundesparteitag_by_Olaf_Kosinsky-18Wer sich noch daran erinnert, wie die SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles eine krachende SPD-Wahlniederlage nach der anderen mit notorischem Dauergrinsen und vollkommener Faktenresistenz in eine Art Sieg umdeutete, der konnte Martin Schulz am letzten Sonntag nur dankbar sein. Ein ehrlich zerknirschter Mensch trat vor die Mikrofone im Willy-Brandt-Haus. Das einzige Argument, das die SPD an diesem Abend überhaupt zu ihren Gunsten vorbringen konnte, dass man nämlich in den Umfragen seit Mitte Januar einigermaßen aufgeholt habe, war Schulz so peinlich, dass er es nur halbherzig runterbetete. Die SPD-Gefolgschaft war sichtlich irritiert; immer wieder setzte sie zum ostentativen Applaus an, wie man es bei Niederlagen eben so macht, aber Schulz schien dieses Theater überhaupt nicht zu behagen. Was werden die Genossen hinterher zu ihm gesagt haben, „Martin, so kannst es nicht machen, du musst mehr Optimismus ausstrahlen!“?

Vielleicht war der Sturz vom 100-Prozent-Sockel hinab in die saarländische Wirklichkeit einfach so groß, dass Schulz nicht anders konnte, als neben sich zu stehen. Vielleicht aber hat er einfach auch nur menschlich und eben nicht professionell reagiert. Ist Schulz vielleicht doch ein anderer Typus Politiker, als ihn der Berliner Politikbetrieb hervorzubringen gewohnt ist? Natürlich muss ein Schulz schnell wieder in den Angriffsmodus umschalten. Schon am darauf folgenden Tag hat er es getan. Doch die weiche Seite, die er am Sonntag zeigte – unsympathisch hat sie ihn nicht gemacht.

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